Liebe Raffaella, der Titel deines Stücks lautet RELA-
TIONS? Bitte beschreibe mir deinen Ansatz und deine
Herangehensweise, Beziehungen in Tanz umzusetzen.
RELATIONS fokussiert Rhythmus als ein wesentliches Element des Lebens. Es richtet das Augenmerk auf den individuellen wie auch den Rhythmus der Gesellschaft und nimmt die Konfrontation zwischen diesen beiden Polen auf. Die TänzerInnen übersetzen diese Spannung durch ihre persönliche Bewegungssprache in Beziehungen von menschlichen Körpern zur Musik; es erwachsen zwischenmenschliche Beziehungen daraus, die im Verhältnis zu Raum, Zeit und Kultur stehen und so uns umgebende gesellschaftliche Prozesse reflektieren.
Du betonst den individuellen Rhythmus sehr stark. Seit
November 2008 untersucht du unterschiedlichste Formen
von Rhythmen. Könntest du diesen Schwerpunkt noch
näher erläutern?
Individueller Rhythmus bezieht sich auf die persönliche Bewegung. Man muss Kompromisse schließen; mit der Gruppe, den Geräuschen, grob gesagt, den Einflüssen um sich herum. Und
es erweitert sich um die Frage: Inwieweit bleibt man Individuum innerhalb der Gruppe? Was macht mich als Individuum bzw. was macht die Gruppe aus, in der ich mich bewege. Die Beantwortung dieser Frage ist nicht abstrakt, sondern sehr persönlich. Es ist nicht wie die Definition von Liebe vage, sondern konkret. Rhythmus ist konkret. Ziel meines Stückes ist das Wiedererkennen des individuellen Rhythmus in den TänzerInnen. Das Nachdenken darüber, was es bedeutet, Individuum oder Teil einer Gruppe zu sein. Es ist die Thematisierung von Momenten des Alleinseins, der Intimität, der Auf und Abs. Alles das sind Variationen von Gefühlen, die unser Leben ausmachen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Rhythmus die Verbindung zum Alltag darstellt. Jeder spürt ihn, wird durch ihn berührt. Er verändert sich kontinuierlich und stellt eine Wiederholung in unterschiedlichsten Variationen dar.
Somit wiederholt sich die Formensprache selbst?
Ich habe die Formensprache meines Stücks aus einem begrenzten Raum, einem Würfel, heraus entwickelt. Und dabei die körperlichen Empfindungen der TänzerInnen und deren Umsetzung in Bewegungsmaterial genutzt. Enge, die Verdichtung, der Vorstoß in intime Bereiche durch Umarmung waren Teil der ersten Improvisationen. Eine besondere Herausforderung war hier die Zusammenarbeit mit Ballett-TänzerInnen; so der Unterschied in der Körperlichkeit und der Auffassung von Tanz. Im zeitgenössischen Tanz ist nicht
essentiell, wie hoch ein Bein gehoben werden kann, sondern was du über dich selbst weißt. Und auch Schönheit aus einem anderen Gesichtspunkt – einem weniger sicheren – zu betrachten; sich auf die pure Bewegung zu beschränken.